Das autogene Trainung und seine positive Wirkung

Das autogene Training ist nicht ohne Grund so weit verbreitet und medizinisch anerkannt; seine Wirkung auf den ausübenden Menschen ist wissenschaftlich gesichert und sehr gut erforscht. Für diejenigen, die sich fragen was für eine Wirkung das autogene Training mit sich bringt ist hier eine – ganz bestimmt zu ergänzende weil nicht vollständige – Auflistung mit positiven Eigenschaften

  • Man nimmt sich Zeit für sich, allein dieses sich Zeit nehmen ist eine Tugend, die viele Menschen in unserer hektischen Welt verlernt haben, was eigentlich schade ist
  • Die Selbstwahrnehmung wird geschult, man wandert beim autogenen Training von einem Körperteil zum nächsten, spürt z.B. jeden Arm einzeln und das Gefühl der Schwere und der Wärme in jedem
  • Man atmet bewusster und tiefer – allein durch diese bewusste Atmung, die bis in den Bauch hinein geht, erzielt man schon einen entspannenden Effekt
  • Der Blutdruck wird gesenkt
  • Aufregung, Anspannung und ihre Symptome wie innere Unruhe, Bauchschmerzen und andere können gelindert werden
  • Kopfschmerzen können gelindert werden
  • Aufgrund des aktiven Prozesses erfährt man, dass man selbst etwas für seine Gesundheit, sein Wohlbefinden und seinen Zustand machen kann, das motiviert und gibt ein positives Lebensgefühl
  • Aufgrund der konkreten Konzentration beschäftigen sich die eigene Gedankenwelt eingängig damit, sich und den Körper zu entspannen, dort bleibt nicht mehr viel Platz für negative Gedanken und Grübeleien – deswegen wird das autogene Training auch sehr gerne als ergänzende Maßnahme zur Behandlung von depressiven Verstimmungen eingesetzt
  • Entspannung – das große Stichwort überhaupt wenn man vom autogenen Training spricht, ein um sich greifendes Gefühl der inneren Ruhe und Ausgeglichenheit, ein angenehmes Gefühl von innerer Wärme und Stärke, das sich mit jeder Ausführung beschwören und verstärken lässt
  • Man fühlt sich ausgeruht; wenn man das autogene Training nicht gerade als Einschlafhilfe verwendet, dann kann man in wenigen Minuten so viel Entspannung und Kraft schöpfen, als ob man eine halbe Stunde geschlafen hätte; schon lange kein Geheimtipp mehr unter Menschen, die von Termin zu Termin reisen und sich zwischendurch einfach Zeit für ihr AT nehmen, um leistungsfähig zu bleiben
  • Die Darmtätigkeit wird angeregt, die meisten Menschen werden das in Form von Magengrummeln während des AT bemerken
  • Die Gefäße erweitern sich, deren Durchblutung wird verbessert
  • Die Muskeln können sich entspannen
  • Man lernt immer wieder aufs Neue, auch bei Außengeräuschen und anderen Ablenkungen nicht den Fokus auf das Wesentliche zu verlieren. In diesem Fall liegt der Fokus auf der eigenen Person, dem eigenen Zustand

Diese Liste, die jeder mit Sicherheit für sich noch ergänzen kann, dient hoffentlich als Anreiz, es auch mal mit dem autogenen Training auszuprobieren, denn wo sonst hat man mit so wenig Einsatz eine Liste an so vielen positiven Effekten und Wirkungen? Die Entspannung ist nur die Spitze des Eisberges, die Wirksamkeit geht noch viel tiefer – erwiesenermaßen!

Was ist autogenes Training?

Allgemein gesprochen handelt es sich beim autogenen Training um ein Entspannungsverfahren, also ein Verfahren das zur Verminderung von Stress eingesetzt werden kann, um das eigene Wohlbefinden zu steigern. Das Wort „autogenes Training“ lässt sich mithilfe der griechischen Sprache erklären und bedeutet ein Training, dessen Effekt man selbst (auto) erzeugt.
Somit ist es wunderbar dazu geeignet, aktiv etwas gegen die eigene Angespanntheit und Unruhe zu unternehmen, im Prinzip kann es jeder erlernen und mit etwas konsequenter Übung werden die positiven Effekte immer größer.

Der Urvater des autogenen Trainings heißt Johannes Heinrich Schultz, der 1884 in Göttingen geborene Psychiater und Psychotherapeut entwickelte das autogene Training aus dem Verfahren der Hypnose. 1932, also immerhin vor 78 Jahren veröffentliche Schultz sein Buch „Das Autogene Training“, mittlerweile ist es sehr weit verbreitet und durchaus als Maßnahme der Psychotherapie anerkannt, aber auch für den „Eigenbedarf“ entdecken immer mehr Leute die Vorteile des AT.

Ganz grob umrissen, später wird noch genauer darauf eingegangen, führt man das autogene Training so durch, dass man sich ein wenig Zeit nimmt, eine entspannte Körperhaltung einnimmt und ein recht fest vorgegebenes Programm an „Formeln“ in Gedanken vorspricht, wiederholt und dabei genau auf die eigenen, inneren Vorgänge im Körper achtet. Die Gefühle Schwere und Wärme, aber auch angenehme Kühle, spielen hier eine große Rolle, wenngleich die Erfahrungen mit dem autogenen Training von Mensch zu Mensch variieren können.

Die Haltung beim autogenen Training

Was das autogene Training so beliebt macht ist mitunter auch die Tatsache, dass man es in vielen Haltungen ausführen kann. Je nach Gusto ist es im Liegen aber auch im Sitzen möglich; hat man es schon eine Weile praktiziert und geübt, so kann man es auch ohne Probleme während eines Flugs, einer Busfahrt oder in einer 15-Minuten-Pause ausführen, um danach entspannt und frisch gestärkt neue Dinge verrichten zu können.

Eine mögliche Haltung ist die sogenannte Droschkenkutscherhaltung wie sie im folgenden Bild dargestellt wird


(Bildquelle: Wikipedia)

Früher mussten die Kutscher auf Abruf bereit sein und auf der Kutsche sitzen und auf ihren Dienstherren warten. Diese Körperhaltung erwies sich dabei als eine, in der man es sehr lange aushalten konnte und die obendrein noch bequem war. Es war den Kutschern in ihrer nach ihnen benannten Haltung möglich, eingemummt auch bei kaltem Wetter auszuharren. Bei der DK-Haltung ist der Oberkörper leicht nach vorne gebeugt, die Arme fallen entspannt zur Mitte hin und können sich etwas an den Oberschenkeln abstützen.

Neben dieser speziellen Haltung kann man das autogene Training aber auch im Liegen durchführen. Es ist nur darauf zu achten, dass Arme und Beine nicht verschränkt werden und getrennt voneinander wahrgenommen werden können, damit man das Schwere- und Wärmegefühl für jeden Arm und jedes Bein einzeln suggerieren kann. Ferner ist es möglich das AT am Schreibtisch durchzuführen – im Prinzip eine noch mehr abgestützte Variante der DK-Haltung, oder auch in einem Stuhl mit (Arm)-Lehne.

Vorrangig sollte es darum gehen, eine für sich angenehme Position zu finden. Wer zum Beispiel aufgrund von Rückenschmerzen Probleme mit der liegenden Haltung hat, sollte nicht auf Biegen und Brechen versuchen, das autogene Training im Liegen durchzuführen. Wohlbefinden und Entspannung sollten an erster Stelle stehen, somit sollte man sämtliche Unannehmlichkeiten wie eine unbequeme Position vermeiden. (Auch laute Geräusche sollte in der Anfangsphase eher vermeiden, jedoch ist es ohne Probleme mit viel Fleiß möglich das autogene Training unter „erschwerten Bedingungen“ durchzuführen. Ein kluger Doktor meinte einmal zu mir, dass man sich auch zur Hauptverkehrszeit in München an eine Kreuzung setzen können sollte, um dort zu entspannen – ist man erst einmal dort angelangt, kann man wahrlich stolz auf sich und seine erlernte Leistung sein!)

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