Abnehmen mit autogenem Training – warum eigentlich nicht?

 

Selbstverständlich ist das autogene Training keine Geheimwaffe, keine Wunderpille und keine Möglichkeit, über Jahre angesammelte Kilos in kürzester Zeit dauerhaft zu verlieren. Für den durchschnittlichen, gesunden Menschen gilt die einfache Regel: mehr Energie verbrauchen, als man aufnimmt.

Die gesündeste Methode ist eine Kombination aus ausgewogener, maßvoller Ernährung und einem erhöhten Bewegungspensum – in Kombination mit etwas Geduld kann man so peu à peu die 7000 Kalorien einsparen, die in etwa einem Kilo Körperfett entsprechen. (Wer abnehmen möchte, der möchte doch bestimmt „abspecken“ und nicht einfach Wasser, Muskeln und Darminhalt verlieren, indem für wenige Tage ein ungesundes Crashdiätprogramm durchgezogen wird)

Es ist doch sehr gut vorstellbar, dass das autogene Training hier eine unterstützende Funktion einnehmen könnte. Wohlgemerkt: unterstützend, von Hauptsäule oder essentieller Bedeutung zu sprechen wäre vermessen, denn auf den einfachsten Grundsatz heruntergebrochen zählt nur das, was die Futterluke passiert und was an Energie verbraucht (oder nicht verbraucht und gespeichert) wird.

Wo könnte man das autogene Training bei seinem Abnehmversuch also einsetzen? Einige Gedanken.

 

  • Wer seine Ernährung umstellt, verzichtet mehr oder weniger auf alte, nicht vorteilhafte Essgewohnheiten (zum Beispiel zu viele Kohlenhydrate, zu mächtige Soßen, zu viel Süßkram nebenbei) – das ist anfangs ungewohnt, fremd, fühlt sich falsch an, weil es dem eigenen Wohlbefinden nicht spürbar zuträglich ist. „Wie soll ich in dieser Stresssituation nur ohne meine Schoki auskommen?!“ oder „Ohne Brot habe ich nicht das Gefühl, satt und zufrieden zu sein“ sind Gedanken, die sehr destruktiv wirken. Man fühlt sich von sich selbst malträtiert und darf noch nicht mal schnelle Erfolge erwarten, die einen ständig bei der Stange halten.

Diese sinnlosen, destruktiven Gedanken müssen aber nicht sein. Schließlich ist eine langfristige Gewichtsreduktion eine feine, gesunde Sache, die man für sich und nicht gegen sich macht. Mit Hilfe von autosuggestiven Formeln, wie sie beim autogenen Training benutzt werden, kann man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass die Abnahme gut für das eigene Wohlbefinden ist.Wie könnten solche Formeln lauten? Auf jeden Fall müssen sie positiv formuliert sein, sonst entstehen Widersprüche!

Ich bin satt und zufrieden.

Süßigkeiten (sind) völlig gleichgültig.

Der Begriff Süßigkeiten kann natürlich auch durch andere, konkretere Dinge (was sogar mehr Sinn haben würde) ersetzt werden, da hat jeder seine eigenen „Sünden“

 

  • Theoretisch könnte man bestimmt auch ohne Sport abnehmen, aber wer möchte schon ständig seinen Kalorienbedarf auf einen Tag voll Inaktivität ausrichten? Mehr Spaß macht es mit Bewegung jeglicher Art! Und der Spaß sollte hier wirklich nicht zu kurz kommen, denn was keine Freude macht, wird auch nicht lange durchgezogen und ein einwöchiges Intensivprogramm kann eben jahrelang angesammelte Fettdepots nicht einfach wegzaubern, obendrein überfordert man sich und seine körperliche Grundvoraussetzung womöglich und das ist keineswegs gesund. Was dann bleibt sind Schmerzen, Frust und die vernichtende Pauschalbeurteilung: Sport ist Mord. Also: langsam anfangen, dafür aber mit Ausdauer und Konsequenz an die Sache herangehen! Auf das eigene Körpergefühl hören, sich mit Freunden verabreden und sich gegenseitig motivieren, experimentierfreudig sein (Man muss schließlich erst mal finden, was einem Spaß macht, nicht jeder hat sofort den Geistesblitz, nicht jeder ist der geborene Jogger, Radfahrer oder Schwimmer) – je länger man etwas ausübt, desto besser stellt sich der eigene Körper darauf ein. Das sollte man im Hinterkopf haben, denn die Gewöhnung bedeutet ja auch, dass der Körper effizienter und verbrauchsärmer auf altbekannte sportliche Belastungen reagiert – ein selbstoptimierender Motor quasi. Was den Autofahrer freuen würde, ärgert natürlich den ambitionierten Hobbysportler mit Abnehmwünschen – aber keine Bange, auch leichte Bewegung ist besser als keine Bewegung und Möglichkeiten zum Variieren gibt es ja immer.

Sport tut mir gut

Sport tut mir und meinem Körper gut

Langsam aber stetig, ich bleibe am Ball!

Bewegung ist Leben, Leben ist schön!

Frische Luft und Dauerlauf, damit bin ich gut drauf (Spontan doof klingende Reime und Sprüche bleiben besonders gut im Gedächtnis, ein jeder überprüfe das anhand der Fernsehwerbung)

 

  • Ein altbekanntes Gerät, um seine Gewichtserfolge zu protokollieren ist die Personenwaage. Sie ist Segen, Fluch und je nach Vorhaben Unsinn in einem Gerät. Segen, weil sie relativ unbestechlich ist. Materialermüdung, Erdanziehungskraft, fehlende Eichung, nicht exakt übereinstimmende Wiegevoraussetzungen und andere Dinge mal außen vor. Fluch: sie kann frustrierend sein, ungenau sein. Und sie kann Unsinn sein, wenn man mit Hilfe von Krafttraining abnehmen möchte; eine Fixierung auf diese nackte Zahl würde einem einflüstern, dass man ja schwerer wird – oh Gott, nein, genau das möchte man doch nicht?! Muskeln wiegen mehr als Fett. Muskeln sind aktiv, gesund, schützend und wie ich neulich erst gelesen habe „gut mit dem gesamten Organismus/Immunsystem vernetzt“, erhöhen den Grundumsatz und machen insgesamt eine bessere Figur als nicht definierte Schwabbelmasse. Das lehrt uns: einem so wankelmütigem Gerät wie einer Waage sollte man nur so viel Aufmerksamkeit wie nötig schenken – für Tendenzen kann sie ja dennoch ganz praktikabel sein.

 

Waage völlig gleichgültig, mein Wohlbefinden zählt

Wir halten fest: unterstützend, ja klar, warum nicht? Positiv, kurz und prägnant formulieren! Dabei ebenso realistisch bleiben, wie man es bei der Gewichtsabnahme ebenfalls sein sollte (10 Kilo in wenigen Tagen ist weder realistisch, noch gesund!) und ruhig experimentierfreudig sein. Und wem dieses spezielle Anwendungsgebiet zu exotisch erscheint, der kann ebenso gut so eine Übung für das autogene Training verinnerlichen – Stress ist beim Abnehmen keine langfristige Perspektive.